Kaninchen
Leonel
2011/278
Vor
ein paar Wochen bin ich auf die Welt gekommen. Es dürfte
im Herbst diesen Jahres gewesen sein. Dass ich noch am Leben
bin, ist reines Glück und hat vielleicht auch mit dem bisher
milden Winter zu tun. Meine Mama lebte mit einigen weiteren
Kaninchen mitten in Wien am Gelände von einem Heurigen
als Attraktion für die Besucher. Ab Weihnachten hätte
uns niemand mehr versorgt und vor Fressfeinden waren wir sowieso
nie geschützt. Sehr viele Babys sind gestorben, bevor sie
die Chance hatten, ihre Augen zu öffnen. Beherzte Tierfreunde
sind auf unsere Situation aufmerksam geworden und der Heurigenwirt
hat uns und einige weitere Tiere abgegeben. Ein Kaninchenbub
war schon so krank, dass er sofort von seinen unsäglichen
Schmerzen erlöst werden musste. Er hatte ein eitriges Auge
und der Eiter war schon bis in den Kopf vorgedrungen. Das muss
euch Zweibeinern, die freilaufende Kaninchen bei Heurigen so
süß finden, klar sein - niemand hilft uns, wenn wir
krank sind. Babys sterben, weil die Mütter sie nicht schützen
können und im Winter werden wir uns selbst überlassen.
Im Frühjahr wird dann wieder weitergezüchtet, wenn
wir den Winter überleben - sonst kommen halt neue Kaninchen.
Ein Elend, das nur aufhört, wenn ihr Menschen eingreift
und verhindert, dass wir so ein Schicksal haben. Ich bin total
froh, dass ich gerettet wurde und ich hoffe, dass ich Menschen
finden kann, die mich lieben und meine Bedürfnisse erfüllen.
Ich bin bereits frühkastriert und kann jederzeit umziehen.
Ich lebe in Außenhaltung.
Im
März 2012 ein neues Zuhause gefunden